Die Räume als Begegnungsorte

«Intensiv und ansprechend ausgebildete Begegnungsorte sollen das sinnlich Erleben des einzelnen und den sozialen Kontakt der Benutzer fördern und formen», sinnierte der Architekt Otto Schärli zum Ziel der Gebäude der Rodtegg.

Das Raumprogramm

Das Raumprogramm muss im Kontext der damaligen Normen und Vorstellungen der Behindertenpädagogik verstanden werden. Dies kann mit folgenden drei Themen umschrieben werden:

  • Ganzheitliche Förderung des behinderten Menschen
  • Individuelle Förderung und Behandlung
  • Emanzipation des Behinderten und Akzeptierung seiner Behinderung

Und weiter: «Die Schule ist Teil des Schulheims Rodtegg für körperbehinderte Kinder und Jugendliche. Vom Beginn der Planung an versuchten wir, gestalterische Konzepte ausserhalb der eng verstandenen Funktion zu entwickeln. Darüber hinaus: Wie kann das eingeschränkte und verunsicherte Leben der Körperbehinderten gefördert werden? Angeregt durch Ideen von Hugo Kükelhaus wurden Verkehrsräume entwickelt, die durch rhythmische Gliederung, durch Wechsel von Hell und Dunkel und Einbezug belebender Situationen, wie Brunnen, Feuerstelle, Treppen, Durchblicke in andere Geschosse, eine Atmosphäre heiterer Anregung bilden.»

Zentrale Themen der Architektur sind:

  • Spiel mit den Elementen: Holz – Stein – Beton
  • Spiel mit Formen: Kreis und Quadrat
  • Spiel mit dem Licht
  • Bewegung: Flure, Plätze, Treppen sind Bewegungszonen. Raumänderungen müssen sinnlich erfahren werden durch einen Wechsel der Verlegart von Böden und Deckenriemen.
  • Bewegung: Zeit – Musik – Tanz; der Bau soll den Kontakt mit Leib und Bewegung bewahren; ein Haus – auch ein Schulhaus – soll helfen, durch Sinnerfahrungen einen Weg zum Lebenssinn zu finden
  • Begegnung mit aussen: das Areal der Schule soll dem umliegenden Quartier und seiner Bevölkerung öffnen.

Kunst von Kükelhaus

Der Künstler, Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge Hugo Kükelhaus (gest. 1984) hat das Innere des Rodtegg-Schulgebäudes künstlerisch geprägt. «Wir lernen nur durch eigenes Tun» und «Mit den Sinnen erleben» waren zwei seiner Leitsätze. Otto Schärli hatte ihn 1969 in einer Radiosendung gehört und war fasziniert von ihm. Sie lernten sich kennen und schätzen. Die Wandmalereien von Kükelhaus in der Rodtegg stellen ein eindrückliches Beispiel ihrer Zusammenarbeit dar.

Sanierung 2008-2010

Die Gebäude der Stiftung Rodtegg wurden, mit Ausnahme der Wohnstudios für Erwachsene mit einer Körper- oder Mehrfachbehinderung, in den Jahren 1978–1980 gebaut. Nach der Sanierung der Dächer der Hauptgebäude (1995–2001) und der Renovation des Gastrobereiches 2006 galten die Sanierungsarbeiten, die Ende 2009 abgeschlossen werden konnten, der Innenarchitektur.

Seit der Eröffnung des Schulheim Rodtegg haben sich die Anforderungen an behinderten gerechtes Wohnen und Leben verändert. Heute leben mehr schwer behinderte Kinder in der Rodtegg. Kinder mit leichter Behinderung besuchen heute wenn möglich die Regelschule. Über 80% aller betreuten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sind auf den Rollstuhl angewiesen. Im Frühjahr 2007 formulierte die Stiftung ein Sanierungskonzept, in dem versucht wird, das Gebäude der heutigen Anforderung an den Betrieb und Unterhalt anzupassen.

Trotz dieser Zielsetzung galt es die Gedanken und Ideen zu würdigen, mit denen Otto Schärli (Architekt) und Hugo Kükelhaus (Künstler) das Innenleben der Rodtegg noch heute prägen. Die vorgenommenen Eingriffe wurden daher zurückhaltend und mit der grosser Sorgfalt ausgeführt. Grundsätzlich wurde die Gebäudestruktur erhalten, viele charakteristische Gestaltungselemente des Schulheims, vor allem die Oberflächen [Boden, Wände] blieben vorhanden.

http://www.rodtegg.ch/aktuelles/news/sanierung/